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Romantische Gitarre nach "Mougeot"

Dies ist ein Nachbau einer meiner beiden Mougeot-Gitarren aus dem frühen 19. Jahrhundert mit einer Spielmensur von 63 cm.

Nicht viel ist über diesen Instrumentenbauer bekannt, aber seine Instrumente sind es auf jeden Fall Wert, kopiert zu werden.

 

Preis: € 3400.-

Theorbe nach "Matteo Sellas in Venezia 1647"

Orientiert am Original entstand eine sehr gut und laut klingende Theorbe mit einer Spielmensur von ca. 85 cm, einer Mensur, die von immer mehr Spielern gewünscht wird.

 

Preis: € 4000.-

Wolfgang Wolf, Füssen 16. Jh.

12-chörige Doppelkopflaute (French Lute);
im 17. Jh. umgebaut zum 12-chörigen Instrument.

Stimmung: g', e', c'c', aa, ee, Hh, Aa, Gg, Ff, Ee, Dd, Cc

Mensuren:
1. - 8. Chor: 63.0 cm
9. Chor: 69.0 cm
10. Chor: 74.0 cm
11. Chor: 80.0 cm
12. Chor: 89.0 cm
15 Späne, 2 Wirbelkästen.

 

Preis: € 3950.- mit geschnitzten Wirbelkästen

Preis: € 3450.- ohne Schnitzereien an den Wirbelkästen
 

Mathias Rösel aus Bremen hat sich ausführlich mit diesen Instrumenten befasst und einen interessanten Artikel geschrieben. Er erscheint ebenfalls im LAUTEN-INFO der Deutschen Lautengesellschaft.
Lesen (PDF)

Renaissancelaute nach "Wolfgang Wolf"

Das als "French Lute" in Füssen ausgestellte Instrument war vor seinem Umbau zur Doppelkopflaute "French Lute" im 17. Jahrhundert wahrscheinlich eine Laute, wie ich sie hier anbiete:

6 - 8-chörig bei einer Mensur von 60 cm.

Durch die tiefe, schmale Form ihrer Muschel zeigt sich auch in dieser Version ihr ungewöhnlicher, spezieller Klang.

 

Preis: € 2850.- im dargestellten Standard

Chitarrone Francese / Arciliuto als Kombinationsinstrument

Lange Zeit war unklar, um was für ein Instrument es sich beim Chitarrone Francese handelte. Es sollte eine Art Barockgitarre mit zusätzlichen Bässen sein. Ein gitarrenartiges Instrument mit verlängertem Hals ist aber nicht überliefert.
1976 schrieb dann Robert Spencer in EARLY MUSIC seinen Artikel "The Chitarrone Francese", in dem er seine Vermutung begründete, es könnte sich bei dem Chitarrone Francese um ein Erzlautenähnliches Instrument handeln, so wie es Grammatica (1571-1626, sein Gemälde ist jetzt in der Galleria Sabauda, Turin) akribisch genau gemalt hat: Es zeigt ein Erzlautenartiges Instrument, wie es vor allem von Sellas und seinem Schüler Raillich gebaut wurde. Im Unterschied zur Erzlaute hat der 1. Wirbelkasten nur 9 Wirbel (anstatt 11), der 2. Wirbelkasten 9 Wirbel (anstatt 8). Die 5 Chöre des ersten Wirbelkastens lassen auf eine Barockgitarrenbesaitung schließen. Das Gemälde von Grammatica ist so genau, dass man sogar erkennen kann, dass die beiden tiefsten Saiten dünner sind als die restlichen 7 Bässe.

Es spricht vieles dafür, dass es sich bei dem abgebildeten Instrument zumindest um eine Variante des Chitarrone Francese handelt. Genau werden wir es aber vielleicht nie wissen.

Getrieben von meiner Neugier habe ich inzwischen ein solches Instrument gebaut, und gespielt klingt es sehr überzeugend. Der schottische Lautenist Rob MacKillop stellt dieses Instrument in einem kleinen Videoclip vor.

Für Chitarrone Francese ist einige Literatur erhalten. Damit dem Musiker nicht eines Tages die Literatur ausgeht, habe ich bei meiner Version dieses Instruments am 1. Wirbelkasten 2 zusätzliche Wirbel angebracht. So kann man es alternativ als Erzlaute spielen.

Die beiden möglichen Stimmungen:
1.) Chitarrone Francese: e' hh gg dd' Aa und G F E D C H1 A1 Gis Fis
(einige Musik erfordert eine abgewandelte Stimmung)
2.) Arciliuto: g' dd aa ff cc GG und F E D C H1 A1 G1 Fis

Die Mensuren sind 64 cm und 115 cm.

Weitere Einzelheiten auf der Arciliuto-Seite!

Ankündigung: Domenico-Sellas-Gitarre -
demnächst im Programm

Im Laufe des Jahres werde ich die erste Kopie dieses wunderschönen Instruments bauen.

Hier schon mal ein paar Bilder des Originals!

Instrumente & Geschichten

Der Erdbeerbaum

Aus fast jedem Urlaub kehre ich mit schwerem Rucksack zurück, bepackt mit einem kleinen Holzstamm einer Baumart, die ich gerne ausprobieren möchte. So nahm ich vor einigen Jahren aus der Türkei einen abgebrochenen Ast eines Erdbeerbaumes mit. Ich probierte das Holz für Wirbel und machte dabei eine Entdeckung:

Nach allen Hölzern, die ich für Wirbel bisher verwendet habe, ist es das eindeutig Beste. Das Erdbeerbaumholz hat genau die richtige Härte, wird nach dem Trocknen sehr leicht und ist vor allem sehr gut gängig durch seine glatte Oberfläche.

Im letzten Türkeiurlaub fand ich dann einen im Winter umgestürzten Baum, und ich habe mich eingedeckt für die nächsten Jahre!

Erdbeerbäume sind verbreitet in Teilen des Mittelmeerraumes, weiterhin von Portugal entlang der Atlantikküste bis Irland und England. Sie wachsen meist als Unterholz in den Mittelmeer-Kiefernwäldern und werden meist um die 5 Meter hoch, in Ausnahmefällen bis zu 10 Metern. Die Blätter sind immergrün. Der Baum blüht weite Teile des Jahres über und bildet meist im Winter erdbeerartige, 2,5 cm große Früchte aus, die nicht ganz so gut wie wirkliche Erdbeeren schmecken. In einigen Gegenden werden die Früchte zu Schnaps gebrannt. Die Stämme haben eine seidig-glatte Oberfläche. Der Baum hat immer nur eine Schicht Rinde - die Rinde des Vorjahres pellt im Sommer ab und bietet dabei ein interessantes Aussehen. Das Holz hat einen rosa Ton, im Kern rötlich.

MAGNO DIEFFENBRUCKER ?

Zurzeit steht ein Instrument von Privat zum Verkauf, das ich mir kürzlich angesehen habe. Der jetzige Besitzer kaufte es Anfang der 80er Jahre bei einem Antiquitätenhändler in Einbeck.

Es handelt sich um eine zur Gitarre umgebaute Laute, deren Muschel aus dem frühen 17. Jahrhundert stammt. Sie besteht aus 43 Ebenholzspänen mit Elfenbeinadern. Der Rest des Instruments stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert, als es zur Gitarre umgebaut wurde.

Die Muschel ist leider in einem sehr bedenklichen Zustand. Sie wird eigentlich nur noch durch eine auf Papiere aufgebrachte bitumenartige Schicht im Inneren der Muschel zusammengehalten. Vermutlich wurde diese bereits 1741 eingebracht, denn der älteste sichtbare Zettel lautet (handschriftlich): Magno Tiefen...Rep. 1741.

Wurde hier nach dem Verdecken eines alten Zettels auf Magno Dieffenbrucker als Erbauer hingewiesen? Von der Machart der Muschel her wäre dies nicht unwahrscheinlich. Es wäre spannend, durch Durchleuchten festzustellen, ob sich unter der Bitumenschicht eventuell noch ein Originalzettel befindet.

Ursprünglich dürfte es sich um eine 7- oder 8-chörige Basslaute gehandelt haben. Die heutige Breite des Halsansatzes deutet auf eine 7-chörige Laute; wahrscheinlich waren es aber 8 Chöre, denn offensichtlich wurde vom Muschelrand 1 bis 1,5 cm abgehobelt, wahrscheinlich um einen schmaleren Halsansatz für die Gitarrenfassung herzustellen.

Dieser für unser heutiges Gefühl brutale Umbau wurde wohl in Leipzig vorgenommen. Ein Zettel lautet:
(gedruckt) Johann Samuel Fritsche, // in Leipzig, 18 (handschriftlich)18 // Reparavit.// (gedruckt) Johann Samuel Fritsche. // in Leipzig,18

Der angesetzte Hals und die Wirbel sind typisch für die romantische Gitarren-Zeit.

Ich hatte, bevor ich das Instrument sah, die Idee, es zu erwerben und zur wahrscheinlichen Originalform einer Basslaute zurückzubauen. Die Muschel ist dazu allerdings in einem viel zu zerbrechlichen Zustand. Deshalb wäre zu wünschen, dass dieses Instrument ohne irgendwelche Veränderungen seinen Platz in einem Museum findet.


Eine neue Gitarre in meiner Romantische-Gitarren-Sammlung: Petit Jean

Ende Oktober kaufte ich in England eine weitere originale Romantische Gitarre.

Der Brandstempel in der Gitarre lautet: "PETIT JEAN L´AINE A PARIS".

Ich schätze, das Instrument stammt aus den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts. Die Gitarre ist in einem vergleichsweise guten Zustand. Wahrscheinlich Anfang des 20ten Jahrhunderts wurde der ursprungliche "Bart"-Steg ersetzt durch einen neuen, und der alte Kopf (ursprünglich in Form einer Acht mit Holzwirbeln) wurde in eine neue Form gebracht, geeignet für Mechaniken.

Es wird nicht sehr schwierig werden, die Gitarre in ihren ursprünglichen Zustand zurückzubauen. Man kann auf der Decke noch die Form des alten Stegs erkennen. Auch die Spuren auf dem Gitarrenkopf sind klar - die Position der ehemaligen Holzwirbel ist gut zu erkennen wie auch die Ansätze zur ehemaligen Form.

Die zwei Saiten, die jetzt noch auf der Gitarre sind, klingen schon sehr gut! Wahrscheinlich im Frühling wird die Gitarre ihre alte Schönheit wieder zurück erhalten haben. Ich werde sie dann hier vorstellen.


Über den bzw. die Instrumentenbauer:

Petit Jean war schon so etwas wie eine "Fabrik", betrieben von drei Petit Jeans. Sie kamen aus Poussay in der Nähe von Mirecourt. Bedenkt man die große Anzahl der noch existierenden Gitarren, müssen noch weitere Helfer in der Fabrik gearbeitet haben. Diese Gitarren wurden in großer Anzahl nach Spanien und sogar England exportiert.

Es ist anzunehmen, dass es sich um drei Brüder handelte, von denen der Älteste die Geschäfte führte: Er kümmerte sich um Lizenzen, Patente usw. Petit Jean L´aine war einer der anderen beiden. Eine ganze Anzahl Instrumente mit seinem Namen hat sich erhalten.

Petit Jean-Gitarren sind als Qualitätsinstrumente der Periode zwischen 1810 und spätestens 1850 anzusehen. Obwohl der Brandstempel Paris erwähnt, haben die Petit Jeans mit ihrer Werkstatt niemals Mirecourt verlassen. Die Erwähnung von Paris geschah wohl zur Aufwertung ihres Rufs.

Eine kleine Gitarre mit großem Klang -
Belchior Dias, Lissabon 1581

Nachdem ich die erste Kopie dieser Renaissancegitarre in den Neunzigern fertiggestellt hatte, war ich sehr beeindruckt von dem großen Klang, den dieses Instrument hervorbringt. Es spricht leicht an und wirft den lauten Klang weit hinaus - das ist beachtlich, wenn man bedenkt, um welch kleines Instrument es sich handelt.

Das Original der Belchior Dias-Gitarre wird im Museum des Royal College of Music in London ausgestellt (Nr. 171). Sie ist die früheste Gitarre, die bis heute überlebt hat!

Auf dem Zettel in der Gitarre steht:
"Belchior dias a fez em./ 1xa nomes de dez.ro 1581"
- was übersetzt bedeutet: "Belchior Dias machte mich./Lissabon im Monat Dezember des Jahres 1581".

Keine andere Gitarre hat einen so tief hohlgekehlten, gewölbten Boden mit in 2 Richtungen gebogenen Spänen. Bis kürzlich galt diese Gitarre als ein fast komplettes Original. Dendrochronologische Untersuchungen ergaben aber, dass die Klangdecke (natürlich inclusive barockem Stegbart-Design) aus dem frühen 18. Jahrhundert stammt. Auch wird die Gitarre ursprünglich eine Pergamentrosette gehabt haben.

In allen wesentlichen Abmessungen ist sie viel kleiner als die existierenden 5-chörigen Gitarren des frühen 17. Jahrhunderts. Die Saitenlänge beträgt 55.3 cm, was eine a-Stimmung (a´, e´, c´, G, D) nahelegt, im Unterschied zur späteren e-Stimmung bei den größeren Gitarren. Dies macht diese Gitarre zu einem typischen Übergangsinstrument: Sie ist in Stimmung und Größe noch, was wir heute Renaissancegitarre nennen, hat aber schon 5 Chöre. Die auf vielen aus der Renaissance stammenden Abbildungen gezeigten Gitarren zeigen dagegen stets 4 Chöre.

Dies ist die einzige Renaissancegitarre, die sich als Vorbild für Kopien eignet. Glücklicherweise ist es ein hervorragendes Vorbild!

Die Bilder zeigen eine meiner vereinfachten Kopien (gewölbter Boden, aber nur leicht gekehlte Späne) der Belchior Dias-Gitarre. Weitere Einzelheiten auf der Zargeninstrumente-Seite.

Eine "neue" Pietro-Raillich-Laute

Im Frühling letzten Jahres wurde mir aus Prag eine originale Railich-Laute zum Kauf angeboten. Schon auf den mir übersandten Bildern war zu erkennen, dass es sich um ein sehr interessantes Instrument handelte. Da der geforderte Preis deutlich meine Mittel überstieg und ich sowieso der Meinung war, die Laute sei am Besten im Museum aufgehoben, wollte ich vor einem Verkauf wenigstens die nötigen Daten sammeln, um in Zukunft Kopien dieser Laute bauen zu können. So fuhr ich Anfang Mai nach Prag, um das Instrument zu fotografieren und zu vermessen.

Ich war von der Laute sofort begeistert, da sie offensichtlich (und das gilt auch für ihren Koffer) seit dem 18. Jahrhundert unverändert geblieben ist. Der erste Eindruck war, dass es sich von seiner Erscheinung her zweifellos um ein sehr altes Instrument handelt.

Es ist eine vergleichsweise kleine Laute mit einer Muschelform, wie man sie von den anderen noch existierenden Railich-Lauten nicht erwarten würde. Die Umrisslinie der Decke erinnert am ehesten an die zur Barocklaute umgebaute "Laux Maler"-Laute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg (MI 54), ist aber nur ähnlich und hat geringere Abmessungen.

Die beiden Zettel in der Muschel lauten:

"PIETRO RAILLICH AL SANTO IN PADOUA 1669" und
"JOHANNES ANTONI FICHTL IN WIENN 1720"
(handschriftlich steht "zu gericht" vor IN WIENN).

Das Baujahr 1669 macht das Instrument zum spätesten erhaltenen von Railich.

Meiner Meinung nach wurde die Laute (mit Ausnahme einer teilweisen Deckenerneuerung) spätestens 1720 von J.A. Fichtl in den Zustand gebracht, in dem sie noch heute ist. Es wurde eine Art Schwanenhals (schwarz gebeizt) angebaut mit 12 Wirbeln im ersten Wirbelkasten und 8 Wirbeln im zweiten. Das heißt: 7 Chöre im ersten ( 2x1 und 5x2) und 4 Chöre im zweiten Wirbelkasten ( 4x2). Um 1720 hatten sich die "standardisierten" Schwanenhälse (13-chörig, mit 8 Chören im ersten und 5 Chören im zweiten Wirbelkasten) noch nicht zu Ende entwickelt. Daher wohl der noch etwas anders geformte verlängerte Hals, die nur 11 Chöre insgesamt und davon die nur 7 Chöre im ersten Wirbelkasten. Man kann also bei der vorliegenden Form von einem typischen Übergangsinstrument sprechen.

Man kann darüber spekulieren, als was das Instrument ursprünglich von Raillich gebaut wurde. Hier kommen im Wesentlichen 3 Möglichkeiten in Frage: Eine 10-chörige Laute mit ursprünglichem Knickhals, ein Arciliuto oder eine Angelika. Stilistisch würde am meisten für eine Angelika sprechen. In diesem Fall könnte sogar der verlängerte Hals schon original Raillich sein - eine sehr verlockende Idee!

Der größte Teil der Literatur der Zeit ist auf den nur 7 "Griff"chören zu spielen.

Die Mensur der 7 Chöre liegt bei 66 cm, die der verlängerten 4 Chöre bei 95,5 cm.

Der Hals ist, geht man davon aus, dass im allgemeinen der 10. Bund am Halsansatz liegt, etwas zu lang. Allerdings findet man Ähnliches auch bei anderen umgebauten Instrumenten, wie z.B. der zur Barocklaute umgebauten "Hans Frei"-Laute in Wien.

Der Ebenholz-furnierte Hals könnte noch von Railich stammen. Jedenfalls würde er bei einem ehemals 10-chörigen Instrument mit einem etwas schmaleren Steg in der Ausrichtung der Saiten passen. Der jetzige Steg hat 9 Doppellochbohrungen und einen länglichen Schlitz, der wahlweise 2 Einzelsaiten oder eine Einzelsaite in der Mitte des Schlitzes aufnimmt. Eine mittlere Einzelsaite würde von ihrer Ausrichtung zur Halskante am besten passen.

Man hat das Instrument zuletzt also wahlweise als 10- oder 11-chörige Laute genutzt.

Die Decke besteht aus einem etwa 6 cm langen Segment am Halsansatz und dem langen restlichen Teil bis zur Kappe. Diese beiden zusammengeflickten Deckenteile passen in ihrer Maserung nicht zusammen. Es ist nur die Frage, ob der kleine oder der große Teil original ist. Der kurze Deckenteil ragt an der Reparaturstelle unter den langen Deckenteil. Ist am Ende der kurze Teil original? Die erhaltene Rosette ist nicht aus der Decke herausgeschnitzt, sondern (sicherlich als Ersatz für eine beschädigte originale Rosette) eingelassen.

Die Muschel besteht aus 21 Schlangenholz (!)-Spänen ohne Adern, auf beiden Seiten mit einem etwas breiteren Span beginnend und den restlichen deutlich schmaleren Spänen.

Der Koffer ist vermutlich ebenso alt wie der Umbau der Laute zur Schwanenhalslaute - oder in dem Fall, daß es sich ursprunglich um eine Angelika handelte, so alt wie das Raillich-Herstellungsdatum. Er ist aus dünnem Holz gebaut und wird mit einem altertümlichen Schlüssel verschlossen. Ähnlich einer Lautenmuschel ist er in dem Bereich, der den Korpus aufnimmt, aus mehreren Teilen gebaut. Innen ist er ganz ausgeschlagen mit Marmorpapier, das im Barock und Rokoko als Luxuspapier galt.

Meine erste Kopie

In diesem Jahr wurde die erste Kopie dieses Instruments fertig. Auf Kundenwunsch wurde sie in 13-chöriger Fassung gebaut. Ich war sehr neugierig auf den Klang. Als ich die Kopie das erste Mal anspielte, war klar, dass es sich hier um ein sehr gutes Modell handelt. Die Laute hat für ihre kleine Größe eine große Lautstärke. Die Töne kommen sehr direkt und ohne "Verschwimmen", wie sonst bei Barocklauten üblich.

Diese Laute ist ideal für jeden, der eine kleinere Mensur spielen möchte (nur 68 cm).

Hier die Bilder der inzwischen nach Japan verkauften Kopie!

"Brevete du roi" - neue René-Lacôte-Gitarre aufgetaucht[Rene Lacote]

René-Lacôte war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der erfolgreichste Gitarrenbauer in Frankreich und in den anderen europäischen Ländern ebenfalls sehr hoch angesehen. Seine Produktionszahlen waren sehr groß, ohne dass dabei die handwerkliche Qualität litt.

Er führte auch einige Neuerungen im Gitarrenbau ein - die bekanntesten sind seine frühen Holz/Metall-Wirbel und seine späteren innenliegenden Mechaniken.

Die Anzahl der in der Szene bekanntgewordenen erhaltenen Lacôte-Gitarren geht wohl inzwischen auf die 200 zu.

Auf jeden Fall gibt es jetzt von einer weiteren zu berichten. Ich hatte letztes Jahr die Gelegenheit, eine bis dahin unbekannt gebliebene zu kaufen. Sie wurde vom früheren Besitzer vor etwa 30 Jahren im Dachgeschoss eines Hauses in einem Ort nicht weit von London entfernt gefunden. Das Instrument wurde während dieser Zeit nur aufbewahrt, es war in keinem spielbaren Zustand.

Nun wartet die Gitarre auf ihre grundlegende Restaurierung.

Sie stammt aus Lacôte's späten Jahren. 1839 erhielt er eine Medaille ("Médaille à l'exposition 1839") und ein Patent vom König ("Brevete du roi"). Dei Medaille und das Patent werden auf dem Zettel erwähnt (obwohl sich das Patent nicht direkt auf dieses Modell bezieht).

Die Gitarre ist in die 1840er-Jahre einzuordnen.

Der erwähnte König kann nur der letzte König Frankreichs, Louis Philippe - ein Nachfahre von Louis XIII - gewesen sein.

So wie es aussieht, wird die Restaurierung nervenaufreibend und sehr aufwändig: Der Unterboden muss abgenommen werden, ebenso der Hals (er wurde in der Vergangenheit sehr unfachgerecht wieder angeleimt - im falschen Winkel). Der jetzt abgebrochene Wirbelkasten samt der fehlenden Patent-Mechaniken müssen restauriert oder erneuert werden.

Ich werde Ihnen das Ergebnis der Restauration an dieser Stelle vorstellen.

Hier sind nun die ersten Bilder dieses wunderschönen Instruments in seinem jetzigen Zustand.

Bisher kaum beachtet: Magno Stegher in Venetia 1598

Der Anteil der Basslauten im 16. und 17. Jahrhundert muss sehr viel höher als heutzutage gewesen sein. Dafür spricht jedenfalls die relativ große Anzahl der Lauten, die offensichtlich ihr Leben als Basslauten begannen und normalerweise zu Barocklauten umgebaut wurden.

Ein gutes Beispiel für diese Instrumente ist die "Magno Stegher in Venetia 1598"-Laute. Sie wurde bisher kaum beachtet, da sie nicht ausgestellt wird.

Das Instrument wurde 1598 von dem aus dem Allgäu stammenden Stegher als eine typische Basslaute seiner Zeit gebaut. Die Muschel besteht aus 27 Ebenholzspänen mit Elfenbeinadern. Das Furnier auf dem Hals und dem Wirbelkasten besteht aus den gleichen Materialien.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Laute in ihrer Originalversion ein 10-chöriges Instrument war. Über dem "Magno Stegher"-Zettel klebte einer mit der Aufschrift "Magno Dieffopruchar". Entweder hat dieser zu einem späteren Zeitpunkt Arbeiten an der Laute vorgenommen oder jemand dachte, das Instrument verkaufe sich teurer mit dem "Magno Dieffopruchar"-Zettel.

In den jetzigen Zustand einer 11-chörigen Barocklaute mit der Mensur 72 cm wurde sie in der zweiten Hälfte des 17ten Jahrhunderts gebracht. Einige glauben die Handschrift von Thomas Edlinger zu erkennen. Eine Umarbeitung zur 11-chörigen Laute bedeutete lediglich ein neuer Diskantreiter auf dem alten Wirbelkasten und ein neuer Steg mit den erforderlichen Lochungen. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass auch der Hals verlängert wurde, da die Basslauten meist weniger Bünde auf dem Hals hatten.

Reparaturen wurden 1772 in Antzenberg ausgeführt und später in Hornberg, Baden (?), Namen sind unleserlich.

1934 wurde die Laute in den "Peter Harlan Werkstätten" im Vogtland repariert. Später wurde das Instrument durch viel zu starke Saiten zerstört (evtl. Cellosaiten (!) - liegen dem Instrument noch heute bei). Der Wirbelkasten wurde vom Hals gerissen und die Muschel zerbrach vor dem Klotz. Die Einzelteile werden heute im Keller des Musikinstrumentenmuseums in der Tiergartenstr. 1 in 10785 Berlin verwahrt.

Für jeden, der eine Basslaute spielen möchte, ist die "Magno Stegher in Venetia 1598" ein sehr kopierwürdiges Vorbild mit einem sehr kräftigen Klang (siehe auch unter Renaissancelauten).